Themenbereich: Vorsorgeuntersuchungen

"wie gehe ich mit Untersuchungsergebnissen um?"

Anonym

Frage vom 18.02.2006

Liebes Hebammenteam,

ich habe das Gefühl, mich selbst übermässig verrückt zu machen, krieg mich so richtig aber selbst nicht in den Griff und wende mich mit meinen Sorgen deswegen an Sie.

Ich bin heute in der 27+3 SSW mit Zwillingen schwanger. Der Weg dahin war sehr schwer, nach 1. ICSI 2003 hatte ich einen Tuboovarialabszess und verlor unserer Zwillinge in der 14. SSW mit einem septischen Abort. Nach langem Nachdenken auch über Adoption haben wir uns 2005 doch noch einmal in reprdoduktionsmed. Behandlung begeben und im 2 Anlauf bin ich trotz schlechter Chancen wunderbarerweise wieder mit Zwillingen schwanger geworden.

Der SS-Verlauf war abgesehen von erheblichen Kreislaufproblemen und einer Synkope durche ein Vena cava Kompressions-Syndrom in der 23. SSW eigentlich gut.

Eine Nackenfaltemessung haben wir damals mehr aus Neugier machen lassen, die war mit 1,4 mm bei unserem Mädchen und 1,6 mm bei unserem Jungen völlig in Ordnung. Tripel-Test geht ja gar nicht bei Zwillingen, eine Fruchtwasseruntersuchung wäre aufgrund des Fehlgeburtsrisikos für uns sowieso nicht in Frage gekommen.

Beim Fein-US bei 20+1 hat sich gezeigt, dass unser Mädchen eine singuläre Umbilikalarterie hat. Ausserdem war sie damals recht klein, die Köpfchenmasse waren alle auf der 5. Perzentile, ausserdem der Femur unter der 5. Perzentile, womit sie dann einen kurzen Femur als soft-sign für ein Down-Syndrom hat. Danach waren wir nach zwei und 4 Wochen wieder zum US, nach zwei Wochen war das Beinchen plötzlich auf der 20. Perzentile, Köpfchen immer noch auf/unter der 5. Perzentile. Nach 4 Wochen war alles auf der 10.-20. Perzentile. Vor 2 Tagen war wieder US und alle Masse für Kopf und Bein lagen wieder auf der 5. Perzentile, das Gewicht war ca. 911g.

Bei dem Jungen war immer alles soweit unauffällig, er ist auch nicht riesig, aber auch nicht winzig.

Die Ultraschall-Untersuchungen sind immer von einer nach meinem Ermessen sehr erfahrenen Ärztin durchgeführt worden. Bis jetzt sind keine andern Auffälligkeiten festgestellt worden, insbesondere keine Organprobleme, Herz usw. sehen völlig in Ordnung aus. Beide Kinder strampeln fleissig, ich kann sie gut unterschieden, das Mädchen sitzt immer in Beckenendlage, der Junge ist quer drüber.

Ich mach mich völlig verrückt mit diesen ganzen Perzentilen, überleg immer, ob wohl die Tatsache, dass das Mädchen so klein ist, auch Hinweis für ein Down-Kind ist , obwohl ich schon verstehe, dass es auch einfach sein kann, dass sie klein ist und zu dem einen Zeitpunkt eben das Bein einfach noch ein bisschen kleiner war.

Konsequenzen hätten wir ohnehin nie gezogen, auch nicht in der frühen SS, wir hätten das beide nicht über uns gebracht und bei der Zwillings-SS ist es sowieso erst recht völlig ausser Frage, da eine Abtreibung ja auch den Bruder in Gefahr gebracht hätte.

Immer nach diesen US-Untersuchungen bin ich aber aus dem Gleichgewicht und starre diese Perzentilen an und mache mir Sorgen, stelle mir vor, wie es gehen würde, ein behindertes und ein gesundes Kind im gleichen Alter zu haben, wie man die beiden fördern könnte usw.

Ich halte mich eigentlich für recht pragmatisch, hier verlässt mich mein Pragmatismus aber völlig. Einzig, dass ich jetzt erst mal den nächsten US vermeide, solange medizinisch verantwortbar.

Können Sie etwas mit meinen Angaben anfangen und aus Ihrer Erfahrung sagen, wie Sie die Situation einschätzen und was Sie mir raten würden?

Vielen Dank für Ihre Hilfe,

Susanne

Antwort vom 18.02.2006

Hallo, es ist verständlich, dass Sie nach der schwierigen und traurigen Vorgeschichte nun alles extra-genau kontrollieren lassen möchten und dass Sie sich sehr sorgen. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen der normalen Vorsorgeuntersuchung und Pränataldiagnostik mit dem Ziel der Fahndung nach Behinderungen. Während ersteres Sinn macht und darauf ausgerichtet ist frühzeitg behandelbare Störungen festzustellen, bleibt bei der Suche nach Gendefekten nur die Möglichkeit des Schwangerschaftsabbruchs. Wenn der für Sie nicht in Frage kommt, macht es überhaupt keinen Sinn weiter nach "Softmarkern" z.B. für Downsyndrom zu suchen. Die ganzen unklaren Ergebnisse verunsichern Sie und belasten Ihre Schwangerschaft mehr als nötig wäre. Die 5. Perzentile bedeutet, dass jedes 20. Kind diese Maße aufweist. Da weit weniger Kinder einen Gendefekt haben, bedeutet es, dass sich mehr als 95% der betroffenen Frauen ganz umsonst Sorgen machen. Hinzu kommt bei Ihnen, dass Sie Zwillinge bekommen, für die die Tabellen nicht gemacht sind. Wenn Sie sich einen Gefallen tun möchten, dann verzichten Sie auf die weitere Fahndung nach Down-Anzeichen. Sie können Ihre Ärztin bitten nur das normale Wachstum zu kontrollieren und auf überflüssige Untersuchungen zu verzichten. Haben Sie Vertrauen in sich und Ihre Kinder. Bisher gibt es keinen Anlass von einer Behinderung auszugehen. Es gibt keine Garantie auf ein gesundes Kind, die meisten Behinderungen sind jedoch gar nicht feststellbar oder entstehen später z.B. durch Frühgeburtlichkeit. Versuchen Sie Ihre Kinder so anzunehmen wie sie sind, sprechen Sie mit Ihnen und freuen Sie sich auf die Zeit mit den Babys. Wenn eines Ihrer Kinder krank sein oder werden sollte findet sich dafür ein Weg. Es ist nicht anders, als wenn ein bereits geborenes Kind krank wird. Im Hier-und-Jetzt wird es für Sie Möglichkeiten geben, es ist jedoch unmöglich sich vorher darauf einzustellen, vor allen Dingen, wenn Sie sich im Bereich der Eventualitäten und mit Ihren Gedanken in der Zukunft bewegen. Sie können sich zusätzlich zur rztlichen Vorsorge von einer Hebamme betreuen lassen, mit der Sie über Ihre Sorgen und Befürchtungen reden können. Durch die Untersuchungen wird manchmal das Blickfeld eingeengt auf Perzentilen und andere Ergebnisse. Oft hilft es dann, wenn das Blickfeld wieder in Richtung Ganzheitlichkeit erweitert wird. Eine Hebamme könnte Ihnen dabei helfen.
Ich wünsch Ihnen alles Gute, Monika

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