Themenbereich: Fehlgeburt

"Ungutes Gefühl für Ausschabungstermin"

Anonym

Frage vom 11.04.2013

Hallo,
Bin etwas unschlüssig, ob meine Entscheidung richtig ist!? Bei mir soll nächste Woche eine Ausschabung gemacht werden, da in der errechneten 8. Woche kein Herzschlag zu sehen war und im Verlauf einer Woche kein wirkliches Wachstum zu sehen war! Das ist nun schon zwei Wochen her und meine Frage lautet jetzt eigentlich nur: könnte die Schwangerschaft doch noch intakt sein? Wird vor dem Eingriff unter Vollnarkose!!! im Krankenhaus nochmals ein Ultraschall gemacht, um eben solche Sachen auszuschließen? Könnte ich auch noch kurz vor der Op "aussteigen" um einen natürlich Abgang abzuwarten? Wie lange könnte es dauern? Gibt es auch in diesem Fall so etwas wie eine Vergiftung, wenn das abgestorbene Gewebe zu lange drin bleibt? Und was ist eine "verhaltene Fehlgeburt"? Aber am wichtigstens ist mir wirklich die Frage, ob es für den Eingriff im Kkh Pflicht ist vor dem Eingriff einen Ultraschall zu machen??? Fühle mich nach wie vor schwanger mit allem was dazu gehört: Übelkeit, leicht schmerzenden Brüsten, aber keine "typischen" Fehlgeburtsbeschwerden!!! Wer könnte den Hcg Wert bestimmen, wenn es mein Arzt nicht macht? Gibt es vielleicht auch einen Test für zuhause???
Bin für jede Information dankbar! LG

Antwort vom 12.04.2013

Hallo,
Sie haben von Anfang der Schwangerschaft an die Möglichkeit sich von einer Hebamme betreuen zu lassen. Auch bei und nach Fehlgeburt besteht Anspruch auf Hebammenhilfe. Die Hebamme könnte auch Blut abnehmen, um den HCG-Wert bestimmen zu lassen. Ein Heimtest ist leider nicht möglich. Um eine sichere Aussage treffen zu können ob eine Fehlgeburt unvermeidlich ist, sind zwei HCG- Bestimmungen im Abstand einiger Tage notwendig. Bei deutlich sinkendem HCG- Wert wäre die Schwangerschaft sicher nicht mehr intakt. Ich halte eine solche Untersuchung für sehr sinnvoll, bevor eine Ausschabung gemacht wird und wunder mich ein wenig, dass sie nicht bereits gemacht wurde vor Diagnosestellung.
Es besteht auch die Möglichkeit sich von einem anderen Arzt eine "Zweitmeinung" einzuholen. Auch Ihr Hausarzt könnte die HCG-Bestimmung durchführen.
Normalerweise wird vor einer Ausschabung auch noch mal ein Ultraschall gemacht. Falls nicht, könnten Sie darauf bestehen. Nur Sie entscheiden, was gemacht wird und Sie können sich jederzeit, auch wenn Sie schon in der Klinik wären, umentscheiden. Eine Ausschabung wird in Vollnakose gemacht. Es gibt auch die Möglichkeit der örtlichen Betäubung.
Ein verhaltener Abort liegt vor, wenn nach Absterben des Embryos keine natürliche Fehlgeburt einsetzt. Leider gibt es keine Zeitangabe dazu, ab wann eine Fehlgeburt "verhalten" ist. Die Diagnose wird heutzutage auf jeden Fall viel zu häufig gestellt, weil eine natürliche Fehlgeburt viel seltener abgewartet wird und weil viel früher und öfter geschallt wird. Es hätte ausgereicht, wenn Ihr Arzt einmal vor der 9. Schwangerschaftswoche einen Schall macht, um zu bestätigen, dass Sie schwanger sind und dass sich die Schwangerschaft in der Gebärmutter angesiedelt hat. Der erste US nach Mutterschaftsrichtlinien ist erst für die 9.-10. SSW vorgesehen. Das ist auch sinnvoll so, weil dann normalerweise dass Baby groß genug ist, damit alles gut sichtbar ist. Eine Fehlgeburt merken die Frauen dann nur daran, dass sie tatsächlich eintritt. Wann der Embryo aufgehört hat zu wachsen ist unbekannt. Hätte Ihr Arzt also nicht nach einer Woche noch mal geschallt, wüssten Sie auch nichts. Ich halte frühes Wissen nicht für einen Vorteil und eine frühe Diagnose "verhalten" für voreilig. Häufig setzt eine natürliche FG zu dem Zeitpunkt ein, an dem ohne Schwangerschaft die Periodenblutung gekommen wäre. Hormonell wird das vom Körper ausgelöst, wenn der HCG-Wert deutlich abgefallen ist. Das braucht seine Zeit. Hebammen, die Fehlgeburten begleiten, halten eine Wartezeit von bis zu 3-4 Wochen für vertretbar, wobei das sehr von der Gesamtsituation abhängt, die ich individuell bei Ihnen leider nicht beurteilen kann. Entscheidend ist letztendlich die Geduld der Frau und deren Entscheidung, ob sie die FG abwarten möchte oder eine Ausschabung bevorzugt. Diese Entscheidung hat so viel Zeit, wie die Frau benötigt um jeden Zweifel auszuräumen und loszulassen. Eine "Umentscheidung" ist jederzeit möglich. Was landläufig als "Vergiftung" bezeichnet wird, ist eine Infektion. Diese kann dann vorkommen, wenn die Fruchtblase längere Zeit gesprungen ist oder wenn nach begonnener Fehlgeburt noch Reste (zum Beispiel die Nachgeburt) in der Gebärmutter verblieben sind. Infektionen sind häufiger bei der Ausschabung als beim Abwarten. Näheres dazu können Sie in einem Artikel aus der Zeit lesen unter:
www.zeit.de/2012/24/M-Fehlgeburten

Nun zum wichtigsten: Sie schreiben "rechnerisch" 8.SSW und ich habe keinerlei Anhaltspunkt dafür wie zuverlässig diese Rechnung ist. Es sollte sicher ausgeschlossen sein, dass ein Rechenfehler vorliegt. Sollten Sie eine unregelmäßige Periode haben, bis kurz vor der Schwangerschaft hormonell verhütet haben, erst spät den ersten Test/ersten US gehabt haben, erst kurz vor dieser Schwangerschaft ein Kind bekommen haben, noch gestillt haben oder ähnliches, bestünde evtl. die Möglichkeit, dass die 8.SSW einfach nicht stimmt. Sie wären jedenfalls nicht die erste, bei der sich nach der Diagnose "verhaltene FG" noch eine ganz normale Schwangerschaft heraus stellt.
Einer Ausschabung sollten Sie nur zustimmen, wenn wirklich sicher ist, dass keine Hoffnung mehr besteht.
Falls Sie weitere Nachfragen zu meiner Antwort auf Ihre Fragen haben, können Sie diese gerne über die Kommentarfunktion stellen.
Ich wünsche Ihnen alles Gute, Monika Selow

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