Babys erstes Jahr
Die ersten sechs Monate: Körperliche und seelische Entwicklung
Körpererfahrungen sind für Kinder die früheste Stufe der Selbstentwicklung. Aus dem sicheren, wärmenden Bauch der Mutter heraus wird das Kind mit erschreckend viel Neuem konfrontiert und es muss seinen Körper den neuen Bedingungen der Umwelt anpassen. Dabei erlebt es aber durch körperliche Aktivitäten, dass es etwas bewegen und bewirken kann. Das zeigt sich im Babyalter in dem deutlichen Bemühen um Selbstständigkeit in körperlich-motorischen Handlungen. Prof. Renate Zimmer, Diplompädagogin der Universität Osnabrück formuliert das so:"Die Erfahrungen, die das Kind in den ersten Lebenswochen über seine sensorischen Systeme macht, führen zur ersten Stufe in der Entwicklung des Selbst, dem "Körperselbst". Das Kind lernt seinen Körper, seine Stimme, seine Körpergrenzen und seine Lage im Raum kennen." So erleben Kinder in dieser Zeit Größe und Weite, aber auch Härte und Gewicht.
Wer Kleinkindern zusieht, wird bemerken, dass Bewegung eine der grundlegenden Lebensäußerungen ist, mit denen das Kind Kontakt mit seiner Außenwelt aufnimmt. Dabei ist ein Mobile über dem Bettchen ebenso aufregend wie ein rollender Ball.
Körperbeherrschung im 1. bis 6. Lebensmonat
Die sinnliche Wahrnehmung ist in den ersten Monaten insbesondere körperliche Aktivität. Das Kind interessiert sich für seine Umwelt und es lernt den Kopf zu heben und zu drehen, wenn es etwas hört oder sieht. Für Babys sind Hände und Füße ein spannendes Spielzeug. Intuitiv probieren sie aufmerksam verschiedene Bewegungen aus und haben offensichtlich Spaß daran, was sich in Freude und begeisterter Wiederholung ausdrückt.
Die Muskulatur eines Säuglings ist in den ersten Monaten schwach ausgebildet. Sie wird kräftiger, wenn sich das Kind nach und nach zu bewegen beginnt, herumkrabbelt und durch die Wohnung rutscht. Diese Entwicklung kann durch die Eltern aber auch ein wenig gefördert werden durch Bewegungsspiele (zum Beipiel Fingerspiele) und frühkindliche Gymnastik.
Wichtig: Ihr Kind hat seinen ganz eigenen Entwicklungsrhythmus und die motorische Entwicklung ist nur ein Teilaspekt innerhalb der ganzheitlichen Entwicklung des Kindes. Wir haben im Folgenden zusammengestellt, was die meisten Kinder in diesem Zeitraum lernen.
Der erste Monat
Der Säugling macht reflexartig Greifbewegungen, wenn es selbst oder jemand anderes seine Hände und Füße berührt. Liegt das Kind auf dem Rücken, werden Arme und Beine häufig angezogen, die Hände sind zu Fäusten geschlossen. In der Bauchlage dreht es den Kopf gerne zur Seite (zum Beispiel in Richtung einer Lichtquelle), das Kind kann den Kopf jedoch noch nicht selbstständig halten. Das beginnt erst langsam am Ende des ersten Monats, dann versucht es schon einmal seinen Kopf für zwei bis drei Sekunden zu halten.
Der zweite Monat
Während des zweiten Monats entwickelt das Baby die Fähigkeit, den Kopf zu heben und in der Mitte aufrecht zu halten. Willkürliche Kopfbewegungen beginnen. Das Kind öffnet die Hände und spielt gerne mit den eigenen Fingern. Die Beugestellung der Arme und Beine wird aufgegeben. Das Baby entwickelt zunehmend Interesse an der Umwelt und dreht den Kopf nach interessanten Dingen und Geräuschen. Es reagiert positiv auf freundliches Ansprechen und es ist wichtig, dass die Eltern (nicht nur) in dieser Phase viel mit ihrem Kind schmusen und reden.
Der dritte Monat
Langsam fängt das Kind auch an, nach Dingen zu greifen, die man ihm reicht. Zu seinen wichtigen Sinneserfahrungen gehört es dann auch, alles in den Mund zu nehmen. In der "Schwebelage" (unter den Achseln gehalten) wird der Kopf bis in Körperhöhe kurzzeitig gehoben. In der Bauchlage hingegen ist die Kopfkontrolle schon recht gut, das Baby kann seinen Kopf etwa eine halbe Minute halten. Aus der Rückenlage heraus ist es noch unsicher. Ein weiterer wesentlicher Schritt: das Kind beginnt, mit der ganzen Hand zu greifen.
Der vierte Monat
Das Baby hat jetzt eine recht gute Kontrolle über seinen Kopf und es kann sowohl Kopf als auch Arme aufs Geradewohl bewegen. In die Bauchlage versetzt, stützt sich das Kind mit den Händen auf, und es kann sich vom Bauch auf den Rücken drehen und umgekehrt. Es steckt weiterhin alle Dinge in den Mund, schaut sich aber vorher und nachher alles prüfend an. Das Kind verlangt nun deutlicher Zuwendung und möchte mit den ihm inzwischen vertrauten Personen auch spielen.
Der fünfte Monat
Gegen Ende des fünften Monats werden zum Abstützen in der Bauchlage nur noch die Händchen gebraucht. Der aufgerichtete Kopf kann sich überall hin drehen, wo sich etwas bewegt und etwas Interessantes zu erfahren ist. Aus der Rückenlage versucht das Kind, sich zum Sitzen aufzurichten und kann kurz sitzen, sofern es etwas zum Anhalten hat. Es kann Gegenstände anfassen und loslassen und schließt die Hand dabei gerne zur Faust.
Der sechste Monat
Das Wechseln von Rücken- und Bauchlage ist für ihr Kind kein Problem mehr und auch den Kopf kann es jetzt schon gut halten. Arme und Beine können nun zweckbewusst bewegt und eingesetzt werden. Bei angebotener Hand versucht das Kind oftmals, sich daran zum Sitzen hochzuziehen und sich abzustützen. (Manche Kinder sitzen übrigens erst, wenn sie krabbeln können, da erst die Krabbelbewegung die Rückenmuskulatur entsprechend kräftigt.) Insgesamt sitzt es noch sehr wackelig, freut sich aber über den großen Fortschritt seiner Körperbeherrschung - schließlich hat es in den letzten sechs Lebensmonaten schon eine ganze Menge gelernt und vergessen Sie nicht: Ihr Kind hat seinen ganz eigenen Entwicklungsrhythmus.
