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Schlecht für das Baby: Tablet & Co

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Wenn Babys und Kleinkinder zu häufig und zu lange am Smartphone oder Tablet herumspielen dürfen, kann das nachweislich ihrer Entwicklung schaden. Sie lernen zum Beispiel später und schlechter sprechen, fallen durch Hyperaktivität oder Fütter- und Einschlafstörungen auf. Dabei spielt eine wichtige Rolle, wie die Eltern selber mit Medien umgehen.

Die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung stehen außer Frage. Und dass der Umgang mit (digitalen) Medien zunehmend eine Schlüsselqualifikation für die Arbeitswelt und die Gesellschaft ist und sein wird, ebenfalls. Wir können uns schon heute ein Leben ohne Medien kaum mehr vorstellen, auch nicht als Eltern. Wer hat nicht schon mal beim Babyfüttern Whatsapp-Nachrichten beantwortet? Oder nebenbei schnell etwas im Netz gesucht, sich beim Herumtragen des Kindes ein Video angesehen oder eine Mail beantwortet? Oder das Kind selber darf regelmäßig ans Smartphone oder Tablet der Eltern, sieht häufig Fern und schaut DVDs. Das ist normaler Alltag in vielen Familien und 70 % der Kinder im Kita-Alter benutzen das Smartphone ihrer Eltern bereits mehr als eine halbe Stunde täglich. Fernsehzeiten sind hier gar nicht erst mit hinein gerechnet worden.
Es geht nicht darum, Kindern alle Medien zu verbieten, sondern um einen kontrollierten, sinnvollen und altersgerechten Umgang.

Studien belegen: Babys sind ohne Medien besser dran

die BLIKK-Medienstudie 2017* (die in vollem Umfang erst Ende des Jahres 2017 veröffentlicht wird) zu Medienkonsum und -abhängigkeit von Kindern belegt, wie riskant es für die Gesundheit und Entwicklung von Kindern sein kann, wenn der Medienkonsum zu hoch ist. Babys zum Beispiel können schon Fütter- und Einschlafprobleme entwickeln, wenn die Eltern während der Betreuung parallel digitale Medien nutzen – ein Hinweis auf eine beginnende Bindungsstörung. Und ist der Medienkonsum bei den Eltern oder dem Nachwuchs auffallend hoch, haben überdurchschnittlich viele Kleinkinder Sprachentwicklungsstörungen und Grundschüler leiden zudem an Konzentrationsschwierigkeiten.

Auch eine kanadische Studie gibt Hinweise darauf, dass schon 30 Minuten Bildschirm-Zeit das Risiko einer Sprachentwicklungsverzögerung um 49 Prozent erhöht, denn je mehr Zeit Babys am Bildschirm verbringen, desto später lernen sie sprechen.

Die BLIKK-Studie, so bemängeln kritische Stimmen, zeige keine deutliche Beziehung zwischen Ursache und Wirkung, sondern nur statistisch auffällige Zusammenhänge. Aber: die Ergebnisse sind so außergewöhnlich, dass die Forscher sie als Weckruf sehen und eine Langzeitstudie folgen lassen wollen. Als Fazit der Studie ergibt sich, dass der richtige Umgang mit den digitalen Medien kontrolliert geübt werden muss. Kinder und junge Menschen sollen lernen, die Vorteile einer inzwischen globalen digitalen Welt zu nutzen, ohne dabei auf die Erlebnisse mit Freunden im Alltag zu verzichten.

Das fordert auch die Schirmherrin der Studie und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler: Es sei dringend notwendig, Eltern beim Thema Mediennutzung Orientierung zu geben und mehr digitale Fürsorge bei Kindern zu betreiben, durch die Eltern, durch Schulen und Bildungseinrichtungen und durch die Politik.

*Für die BLIKK-Studie (BLIKK steht für Bewältigung, Lernverhalten, Intelligenz, Kompetenz, Kommunikation) wurden 5.573 Eltern und deren Kinder zum Umgang mit digitalen Medien befragt und gleichzeitig im Rahmen der üblichen U- und J-Untersuchungen die körperliche, entwicklungsneurologische und psychosoziale Verfassung umfangreich dokumentiert. Diese Studie geht weit über die üblichen Befragungen zu Mediennutzung hinaus.

Medienerziehung fängt bei den Eltern an

Eltern sind Vorbilder für ihre Kinder und wenn sie alle paar Minuten aufs Smartphone schauen, mit dem Tablet oder Laptop herumspielen oder der Fernseher stundenlang im Hintergrnd läuft, ist das für Kinder völlig normal. Eltern sollten also auch kritisch auf ihr eigenes Medienverhalten schauen und bereit sein, es etwas zu verändern, wenn sie das ihrer Kinder regeln möchten. Klar ist es bequem, das Kind vor einem Bildschirm zu parken und damit ruhig zu stellen, aber das sollte man nicht oder nur selten tun, raten Psychologen. Es ist auch wichtig, dass Eltern sich stets über die neusten Entwicklungen im Medienbereich auf dem Laufenden halten, damit sie wissen, was ihre Kinder im Netz tun.

Was brauchen Babys und Kleinkinder?

Alles, was ein Kind tut, aktiviert sein Gehirn und entwickelt es täglich weiter: Beobachten, Entdecken, Untersuchen, Hören, Tasten, Riechen, Schmecken, Mit- und Einfühlen, Denken, Sprechen und Handeln sind essentiell für eine gute Entwicklung. Kinder lernen durch Eigenaktivität, durch Versuch und Irrtum, durch freies Spielen, durch Nachahmung im direkten Kontakt mit anderen. Das gehört zu den wichtigsten Ergebnissen moderner Hirnforschung. „Die von Kindern unter drei Jahren vor Bildschirmmedien verbrachte Zeit ist verlorene Zeit. Es ist eben nicht dasselbe, wenn zweijährige oder fünfjährige Kinder fernsehen“, sagt der Hirnfoscher Manfred Spitzer in seinem Buch „Digitale Demenz“.

Wer ein Baby aufwachsen sieht, bekommt eine Ahnung davon, wie unglaublich viel es lernen muss und wie schwierig das teilweise ist. Denn es kommt auf die Welt und kann erst einmal fast nichts. Da kann man sich schon fragen, ob es nicht sinnvoll ist, dass es sich in den ersten Jahren voll darauf konzentrieren kann. „Kleinkinder brauchen kein Smartphone. Sie müssen erst einmal lernen, mit beiden Beinen sicher im realen Leben zu stehen“, bestätigt Mortler. Und wenn das Kind älter ist, kann es immer noch mühelos den Zugang zur digitalen Welt finden. Sein Gehirn konnte jedoch bis dahin ungehindert und ungestört wichtige Grundlagen ausbilden, um später mühelos höhere geistige Leistungen vollbringen zu können.

Alternativen für Medien

Das „analoge“ Leben sollte den größten Anteil im Leben eines Kindes haben und wenn es älter ist, sollten (digitale) Medien eine Ergänzung sein, kein Ersatz für das „richtige“ Leben oder für „echte“ Freunde. Um sich gut entwickeln zu können, sollte ein Kind spielen, sich viel bewegen, Sinneserfahrungen machen können, die es mit seinem ganzen Körper wahrnehmen kann. Es soll zwischenmenschliche Beziehungen unmittelbar erleben durch miteinander sprechen, sich in die Augen schauen, liebevolle Zuwendung. Überhaupt brauchen Kinder auch die Aufmerksamkeit und das ungeteilte Interesse ihrer Bezugspersonen – diese sollten dann eben nicht ständig selber am Smartphone hängen oder mit einem Auge und Ohr am Fernseher. Kinder müssen auch mal Langeweile aushalten können und Eltern, dass ihre Kinder sich langweilen. Das ist nicht schlimm, sondern hilft ihnen dabei, aus eigenem Antrieb in die Aktivität zu kommen, zum Beispiel, sich zu überlegen, was sie spielen könnten oder ob sie kreativ sein wollen und Malen oder Basteln möchten.

Weitere Informationen zum Thema

  • Kindergesundheit-info.de: Hier gibt es konkrete Alltagstipps zum Umgang mit Medien im Alltag, Infos zur richtigen Medienerziehung und Empfehlungen für die Dauer der Mediennutzung von Kindern.
  • Die Initiative "SCHAU HIN! Was Dein Kind mit Medien macht" ist ein Online-Elternratgeber zur Mediennutzung, der Erziehende dabei unterstützt, ihre Kinder im Umgang mit Medien zu stärken.
  • Buch "Medienmündig, wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen", von Paula Bleckmann (ISBN 978-3-608-94626-0)
  • Buch "Wie Kinder heute wachsen: Natur als Entwicklungsraum. Ein neuer Blick auf das kindliche Lernen, Fühlen und Denken", Von Herbert Renz-Polster und Gerald Hüther (ISBN 978-3-407-22353-1)

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