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Babyschwimmen

Experteninterview zum Babyschwimmkurs

Babyschwimmkurs
Eigentlich ist das Wort Babyschwimmen irreführend, denn Säuglinge lernen da nicht schwimmen – dennoch ist es sinnvoll. Das Kleine wird spielerisch an das Element Wasser herangeführt und erfährt Freude an der schwerelosen Bewegung. Zudem gibt es einige nachgewiesene positive Effekte auf die kindliche Entwicklung. Welche das sind und was Babyschwimmen sonst noch bringt, erfahrt ihr im Experteninterview mit der Hebamme und Aquapädagogin Irmtraud Wallbach.
Warum tut Babyschwimmen Babys (und Eltern) gut?

"Wasser ist für Babys wunderbar, um sich fast schwerelos bewegen zu können, Neues auszuprobieren und mit den Eltern den vertrauten Hautkontakt zu pflegen. Alle Sinne werden aktiviert. Eltern lernen ihr Baby noch besser kennen und können ihm schon nach kurzer Zeit im Wasser einen sicheren Halt geben. Ganz nebenbei werden erste soziale Kontakte geknüpft, was vor allem für die Eltern sehr wichtig ist – denn kaum etwas erleichtert die ersten herausfordernden Jahre mit Kindern so, wie freundschaftlicher Kontakt mit Menschen, die sich in der gleichen Situation befinden."

Wird die Entwicklung durch Babyschwimmen gefördert?

„Es gibt Studien, die eindeutig belegen, dass Kinder mit Babyschwimmerfahrung ihren Altersgenossen in vielen Bereichen voraus sind:

  • die Motorik und das Gleichgewichtsgefühl sind z.B. bei „Schwimmkindern“ besser
  • Herz- und Atmungsmuskulatur werden gestärkt durch die Atmung gegen den Wasserdruck die Koordination Auge – Hand fällt den Kindern leichter
  • die Abwehrkräfte werden gestärkt 
  • das Selbstbewusstsein wird gestärkt, wenn Kindern im Wasser Dinge gelingen, die sie an Land auf Grund der Schwerkraft noch nicht können.“

Wie alt sollte das Baby sein?

„Mindestens acht Wochen alt, das Wochenbett und die erste Eingewöhnung als Familie sollten abgeschlossen sein. Der richtige Zeitpunkt hängt zudem von der Wassertemperatur im Schwimmbad und dem Gewicht des Kindes ab. Wasser kühlt den Körper aus. Kleine, vielleicht etwas zu früh geborene Kinder sollten entsprechend später zum Babyschwimmen gehen. Acht Wochen alte Kinder brauchen noch 36°C Wassertemperatur, Kinder ab vier Monaten noch 32°C bei normalem Gewicht. Mit Kindern unter vier Monaten kann man höchstens 10-15 Minuten im Wasser sein, ab einem Jahr ca. 40 Minuten.“

Ohne Kurs mit dem Baby schwimmen gehen?

„Eltern können auch auf eigene Faust mit dem Baby ins Schwimmbad gehen, wenn sie sich vorher gut informiert haben, d.h. über die äußeren Bedingungen im Schwimmbad (wie z.B. die Wassertemperatur) und grundsätzlich über Babys im Wasser. Trotzdem ist ein Babyschwimmkurs für die praktische Unterstützung durch eine Kursleiterin oder einen Kursleiter besser, da man als Laie natürlich nicht so viel über die Schwimmentwicklung von Kindern wissen kann und häufig seine eigene Schwimmerfahrung weitergibt, auch manchmal seine eigenen Ängste.“

Wie findet und erkennt man einen guten Kurs?

„Man kann erfragen, ob es möglich ist, eine Schnupperstunde zu besuchen und sich mit eigenen Augen ein Bild vom Geschehen machen. Außerdem sollte die Kursleiterin bzw. der Kursleiter eine Weiterbildung für die entsprechende Altersgruppe der Kinder nachweisen können sowie einen Erste-Hilfe-Kurs speziell für Babys und Kinder absolviert haben.
Hilfreich ist es auch, z.B. folgende Fragen zu klären:

  • was sind die Kursziele? 
  • wie ist die Einstellung und wie läuft die Anleitung zum Tauchen ab? 
  • welche spielerischen Möglichkeiten gibt es im Wasser? 
  • werden die benötigten Spielsachen und Schwimmhilfen gestellt? 
  • wird auch mal gesungen? 
  • kann man den Kurs erweitern und fortsetzen? 
  • was sagen die anderen Mütter in Spielkreisen etc.?“

Wie läuft so ein Kurs ab?

„Das ist natürlich individuell je nach Anbieter unterschiedlich. Häufig ist es aber so, dass ein Kurs mit einem Begrüßungslied beginnt. Danach werden die Gelenke spielerisch im Wasser gelockert. Die Babys strampeln mit Hilfe durch verschiedene Handgriffe der Eltern durch das Wasser. Dann folgt die Wassergewöhnung mit einer Gießkanne. Ich beispielsweise beschäftige den Rest der Gruppe mit einer kleinen Aufgabe, so dass ich für jedes Kind mit seiner Begleitperson Zeit habe, einzeln die Tauchbereitschaft zu prüfen und auch mit ihnen zu tauchen. Danach gibt es ein Mittellied. Im Anschluss wird das Anschwimmen an den Beckenrand, das Festhalten und Herausklettern (so gut es schon geht) und das Abgleiten geübt. Hier werden die Grundbausteine für die Selbstrettung gelegt. Zum Schluss gibt es immer noch eine Wasserspritztour und das Abschlusslied. Nach dem Duschen treffen sich viele Eltern z.B. noch in der Cafeteria des Schwimmbades.“

Gibt es Babys, die das Babyschwimmen nicht mögen?

„Wasser mögen eigentlich fast alle Kinder, es gibt aber manchmal Dinge, die sie am Genießen des Wassers hindern. Wenn Babys mit einer für sie heftigen und schwierigen Entwicklungsphase zu tun haben, z.B. Zähne bekommen oder Fremdeln, kann es zu kurzfristigen negativen Reaktionen im Wasser kommen. Das vergeht aber schnell, wenn man die Tagesform der Kinder akzeptiert und darauf Rücksicht nimmt. Manchmal müssen sich Kinder auch innerlich neu sortieren, wenn sie gerade besonders viel gelernt haben. Das führt dann auch mal zu einem vorübergehenden Stillstand.“

Wie wichtig ist das Tauchen für Babys?

„Ich halte es für einen wichtigen Bestandteil des Babyschwimmens. Wir sind im Wasser, über, neben und manchmal unter Wasser. Tauchen ist eine erlernte Fähigkeit. Wir sollten die Reste des Luftanhaltereflexes der Babys nutzen, um ihnen das Erlernen des Tauchens zu erleichtern. Nur durch erlerntes Tauchen sind Kinder in der Lage, den Schrecken bei einem unabsichtlichen Sturz ins Wasser zu beherrschen und somit ihr Überleben zu sichern. Ruhiges, auf die Tagesform der Kinder eingehendes Anleiten zum Tauchen, nicht in der Gruppe sondern einzeln mit jedem Kind und mit der Wassergusstechnik von Lilli Ahrend stellt in meinen Augen eine zum Wasser dazugehörige Erziehung dar.“

Schlucken Babys das Wasser? Und ist das gefährlich?

„Es ist nachgewiesen worden, dass Babys ca. zehn ml Wasser in 30 Minuten im Schwimmbad trinken. Da das Wasser in deutschen Schwimmbädern Trinkwasserqualität hat und gechlort ist, besteht keine Gefahr.“

Können auch Babys mit Hautproblemen zum Babyschwimmen?

„Grundsätzlich hat Babyschwimmen keinen nachteiligen Effekt bei Neurodermitis. Kinder mit offenen Wunden sollten aber nicht ins Wasser gehen. Eine gute Hautpflege und Rückfettung nach dem Schwimmen ist aber unbedingt empfehlenswert. Man sollte spezielle Duschzusätze und Cremes in Rücksprache mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin verwenden."

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