Themenbereich: Ernährung in der Schwangerschaft

"Gefahr durch niedrige Eisenwerte?"

Anonym

Frage vom 21.06.2007

Hallo,

ich bin ich der 30 Ssw und habe letzte Woche von meinem Frauenarzt gesagt bekommen, das mein Eisenwert zu niedrig ist.
Leukozytenzahl 12,6 ( Normal 4,0 -9,0 /nl)
Erythrozytenzahl 2,8 ( Normal 4,0-5,4 Ery/pl)
Hämoglobin 7,8 ( Normal 12 -16 g/dl)
Hämatokrit 24,9 ( Normal 35-47 %)

Daraufhin war ich beim Internisten, der mir folgendes verordnet hat:
ferro sanol duodenal, 50 Kapseln N2, 1 Kapsel enthält Eisen (II)-glycin-sulfat-Lomplex 567,7 mg.
Diese soll ich 2 mal am Tag nehmen.
Ansonsten wurde nichts weiter unternommen und ich wurde auch nicht aufgeklärt.

In der 29 SSw war das Baby 36 cm lang und wog 1414 g.

Ein Internetarzt für Frauenheilkunde schrieb darauf folgendes:
- dass ein erhöhtes Risiko für eine Unterversorgung des Babys besteht
- dass es stationär abgeklärt werden sollte
- dass die Tabletten nicht reichen
- dass eine Sauerstoffunterversorgung des Kindes möglich wäre


Mache mir nun große Sorgen um das Baby, welche Auswirkungen könnte es haben.
Was würden Sie mir empfehlen???

Habe große Angst.

Antwort vom 22.06.2007

Hallo, zunächst kann ich Sie wegen der befürchteten Unterversorgung des Kindes beruhigen. Der errechnete Wert fürs Gewicht ist sehr gut und das Kind ist von daher auch nicht unterversorgt. Bevor das Gehirn nicht richtig versorgt wäre, würde das Wachstum deutlich zurück bleiben, was bei Ihnen nicht der Fall ist. Automatisch werden die weniger wichtigen Funktionen (Größe und Gewicht)vom Körper vernachlässigt, bevor die wichtigen Funktionen (Organentwicklung und Versorgung) leiden.
Früher ist man davon ausgegangen, dass in der Schwangerschaft viel "Eisen" gut sein muss. Das ist durch Studien widerlegt. In der Schwangerschaft kommt es zu einer Verdünnung des Blutes, was seine Fließeigenschaften verbessert und damit auch die Versorgung.
In Ost und West werden unterschiedliche Messeinheiten für den HB-Wert benutzt. Da Sie im Osten wohnen, würde ich noch mal sicherstellen, dass vom Labor auch wirklich in g/dl gemessen wurde. (Leider kommt es durch die unterschiedlichen Maßeinheiten manchmal zu Fehlern)
Außerhalb der Schwangerschaft gelten für Frauen folgende Werte als Normal:
Frauen 12–14 g/dl (7,4–8,7 mmol/l)
In der Schwangerschaft sollte der HB-Wert nicht unter 10 liegen, wobei die größten Kinder bei einem Wert um 9 zu finden sind. Über 13 kann es zu einer Mangelentwicklung durch "zu dickes Blut" kommen.
Auffallend an den von Ihnen angegebenen Werten ist, dass sie alle als Normalwerte für Nicht-Schwangere gelten.
Wenn Ihr HB-Wert 7,8 (in g/dl gemessen) beträgt, stimme ich mit dem "Internet-Arzt" insofern überein, dass eine genauere Abklärung notwendig ist und auch eventuell mehr oder etwas anderes als Eisengabe. Zu ermitteln wäre noch das mittlere Zellvolumen (MCV). Auch sollte überprüft werden wie es mit den Eisenspeichern aussieht.
Wenn Sie mehr darüber lesen möchten können Sie unter http://www.bdh.de/mitserv/vorsorg_02.pdf ab Seite 44 unten genaueres finden. Neben Eisenmangel kommen noch andere Gründe für die niedrigen Werte in Betracht, wie z.B. Vit B 12-Mangel, der häufiger bei Vegetarierinnen zu finden ist. Wenn Sie Vegetarierin sein sollten, müsste in einer persönlichen Ernährungsberatung geklärt werden, welche Möglichkeiten für Sie bestehen. Mit einer Ernährungsberatung lassen sich die Ergebnisse häufig verbessern. Deshalb sollte sie auf jeden Fall zusätzlich erfolgen. Sie können sich hierfür an eine Hebamme in Ihrer Gegend wenden, die Ihnen auch sonst noch Hilfe geben kann bei der Interpretation der Ergebnisse und daraus resultierenden Ratschlägen. Wichtig neben Eisen sind z.B.: Vit. B, Vit C, Eiweiß, Folsäure?.
Zu berücksichtigen ist der Gesamtzusammenhang: Wie hoch ist der Ausgangswert? Haben Sie Beschwerden durch die niedrigen Werte (Müdigkeit, Kopfschmerzen)? Wie ist Ihre eigene Gewichtszunahme? Haben Sie außergewöhnlich viel Wasser eingelagert? Gibt es etwas, was bei Ihnen die Aufnahme von Nährstoffen behindert (Lebensgewohnheiten oder Krankengeschichte allgemein)?
Es ist zwar gut, dass Sie das Problem angehen, Sie sollten sich aber nun auch nicht von Sorgen und Befürchtungen allzusehr mitnehmen lassen. Tun Sie das was in Ihrer Macht liegt (das tun Sie ja schon) und ansonsten hilt eine gewisse Gelassenheit, dass auch mit abweichenden Werten ein völlig gesundes Kind eher die Regel als die Ausnahme ist.
Ich wünsch Ihnen alles Gute, Monika

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