Interview
Eltern werden – Paar bleiben
Schwangerschaft und Geburt – das kann zu einer Prüfungszeit für die Partnerschaft werden. „Am Wichtigsten ist Offenheit“, sagt Dipl. Sozialarbeiterin Antje Teborg. Sie ist Beraterin bei der Pro familia in Stuttgart und kennt viele Paare, die Beziehungsprobleme während dieser Phase haben. Ihre Erfahrungen und nützliche Tipps hat sie uns im babyclub.de-Interview erzählt.
Frau Teborg, was sind Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Beziehungsfallen während der Schwangerschaft?
Verallgemeinert sieht es bei uns in der Beratung oft so aus: Die jungen Frauen haben Angst, ihren Mann zu verletzen, wenn sie ihn während der Schwangerschaft zurückweisen oder nicht so reagieren, wie er es gewohnt ist. Die Männer hingegen sind eher verunsichert, wenn es um das Thema Sexualität geht. Sie befürchten, dem Kind zu schaden oder der Frau weh zu tun, wenn sie mit ihr schlafen.
Welchen Rat können Sie beiden geben?
Am Wichtigsten ist Offenheit. Sagen Sie dem Mann ganz offen, dass Sie ein erhöhtes Zärtlichkeitsbedürfnis haben oder dass in Ihrem Körper gerade so viel passiert und Sie momentan keinen Geschlechtsverkehr möchten. Umgekehrt kann der Mann seine Frau genauso offen fragen, ob er mit ihr schlafen kann. Bei sehr vorsichtigen oder verunsicherten Männern ist es wichtig, ihm zu sagen, dass Sex während der Schwangerschaft kein Problem ist. Wenn die Frau ein gutes Verhältnis zu ihrem Frauenarzt hat, hilft es oft, wenn sie ihren Mann mit zur Beratung nimmt und der Arzt sozusagen grünes Licht für den Geschlechtsverkehr vor der Geburt gibt. Darüber hinaus besteht natürlich die Möglichkeit, bei der Pro familia um Rat zu fragen.
Viele junge Eltern fürchten während der Schwangerschaft, dass sie mit Kind auf vieles in ihrer Freizeit verzichten müssen. Zum Beispiel Kneipenbesuche, Freunde treffen, Reisen…
Natürlich bringen Schwangerschaft, Geburt und Kind große Veränderungen im Leben der beiden Partner. Nur: das kann durchaus sehr positiv sein. Die jungen Eltern bekommen unglaublich viel für ihre vermeintlichen Entbehrungen. Wichtig ist dabei allerdings auch das Umfeld. Ideal ist es, wenn die werdenden Eltern eine größtmögliche Unterstützung durch die Familie oder Freunde bekommen.
Kann man das nicht erwarten?
Nein. Ein gutes Zusammenspiel von Familie, Freunden und dem Partner vor und nach der Geburt fliegt einem nicht zu. Am Besten ist es, rechtzeitig zu organisieren: „Wer ist für mich da?“ Gibt es schon Eltern im Freundeskreis, fragen Sie: „Wie ist das bei dir?“ Wichtig ist der Kontakt zu anderen jungen Schwangeren und Müttern. Dabei wird auch herauskommen, dass nach der Geburt eben nicht alles easy und wunderbar ist. Aber dass beide Partner mit ihrer kleinen Familie wunderbare Erfahrungen machen werden – wenn die Beziehung in Ordnung ist.
Wir reden vom gemeinsamen Erleben. Was ist aber, wenn der Mann sich ausgeschlossen fühlt durch das offen gezeigte, enge Verhältnis seiner Frau zu dem Baby?
Einer möglichen Eifersucht auf das Kind kann meistens vorgebeugt werden. Ganz wichtig ist das Gefühl WIR bekommen ein Kind. Oft liegt es aber an der Frau, den Mann einzubeziehen und ihm schon während der Schwangerschaft zu sagen, wie er sie unterstützen kann. Die meisten werdenden Väter sind zu begeistern, wenn erst einmal ihr Interesse geweckt ist und sie an allen Veränderungen körperlich und emotional beteiligt werden. Für das gemeinsame Erleben nach der Geburt muss ich einmal einen Appell an die jungen Mütter loswerden: „Lasst euer Baby auch los und lasst die Väter ihre eigenen Erfahrungen mit dem Neugeborenen machen.“ Nicht zuletzt ist der Körperkontakt des Babys zu seinem Vater auch immens wichtig für die Entwicklung. Abgesehen vom Stillen – was die Frau übrigens auch nicht in einem anderen Zimmer machen muss – können die Männer vieles im Alltag mit dem Kind übernehmen. Ergänzen sich die Partner im Umgang mit dem Kind, kann das Beziehungsdreieck auch gut funktionieren.
Wenn es nun doch zu Schwierigkeiten in der Partnerschaft kommt. Wer kann mit seinen zur Pro familia kommen?
Jeder, der in diesem Bereich Fragen hat, kann von uns Beratung bekommen. Dabei gibt es überhaupt keinen Grund für Hemmungen, denn für uns sind die meisten Probleme nichts Neues und für mögliche Lösungen sind wir ganz einfach da. Bei uns gibt es kein Ausfragen, sondern einer oder beide Partner können uns alle ihre Fragen stellen und ihre Probleme erzählen.
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