Geschwisterkinder

Wenn das Geschwisterchen chronisch krank oder behindert ist

Es ist für eine Familie immer eine belastende Situation zu erfahren, dass das eigene Kind behindert oder chronisch krank ist. In solch einem Moment muss man nicht nur mit der an sich bereits erdrückenden und schmerzvollen Tatsache fertig werden. Hinzu kommt auch noch eine große Umstellung bzw. Einstellung der gesamten Familie auf die neue Situation.

Ein Geschwisterchen zu bekommen, ist für Kinder immer eine aufwühlende Erfahrung. Für Geschwister behinderter oder chronisch kranker Kinder gilt das besonders. Sie stoßen meist auf Probleme, die Geschwister gesunder Kinder so nicht kennen. Durch den großen Zeitaufwand, den Eltern ihren kranken Kindern widmen müssen, passiert es beispielsweise nicht selten, dass gesunde Kinder in den Hintergrund treten. Dies ist nicht beabsichtigt, jedoch für manche Eltern schwer zu ändern. Dabei ist es aber sehr wichtig, auch bewusst auf das gesunde Kind einzugehen und dessen Probleme, Wünsche, Gedanken und Erlebnisse zu besprechen.

Selbsthilfegruppen: Verständnis, Hilfe, Austausch

Eine wichtige Anlaufstelle für Betroffene sind Selbsthilfegruppen. Es ist wichtig Hilfe zu suchen und auch anzunehmen. Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit andere Familien mit ähnlichen oder gleichen Problemen zu treffen, die einen ohne große Erklärungen verstehen. Außerdem erhält man hier wichtige Adressen, zum Beispiel wo entlastende Dienste oder Ferienfreizeiten angeboten werden, und kann sich über verschiedene Therapieansätze austauschen.

Ein Verzeichnis aller Selbsthilfegruppen finden sie bei der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen (NAKOS).

Rat von Betroffenen und Experten

Das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen hat zusammen mit dem Staatsinstitut für Familienforschung an der Universität Bamberg Broschüren zu diesem Thema entwickelt, die Eltern, Kindern und Betroffenen helfen sollen. Unter dem Motto „Geschwister behinderter Kinder“ werden fünf Leitfäden angeboten, die zum Überdenken der eigenen Situation anregen. Die Leitfäden gibt es hier zum Downlad.

In der Broschüre „Elternbrief“ wird Eltern unter anderem geraten, auf keinen Fall zu selbstlos zu werden und die Notwendigkeit sowohl eigener als auch der Bedürfnisse des gesunden Kindes nicht zu übergehen. Vor allem für das gesunde Kind ist es wichtig, auch mal einen Tag alleine mit den Eltern oder einem Elternteil zu verbringen.

Ebenso wichtig sei es, je nach Möglichkeit eine Geschwisterbeziehung zuzulassen, die sich nicht bzw. nicht stark von Geschwisterbeziehungen gesunder Kinder unterscheidet. Bei kleineren Streitereien beispielsweise, sollte nicht nur das gesunde Kind sofort von den Eltern gebremst werden, um das kranke zu schützen. So ermöglichte man sowohl dem gesunden als auch dem behinderten Kind eine gewisse Normalität, die beide besser auf die täglichen Aufgaben des Lebens vorbereitet.

Die Autorinnen dieser Broschüre, Ilse Achilles und Dr. Nicosia Nieß, sprechen aus eigener Erfahrung: Ilse Achilles ist Mutter zweier Töchter und eines geistig behindertes Sohnes. Nicosia Nieß hat einen Sohn und eine autistische Tochter.

Andere Broschüren der Serie „Geschwister behinderter Kinder“ wie „Teddy ist ein guter Zuhörer“, eine Geschichte für drei bis sechsjährige Kinder als auch „Check-Up – der Ampeltest“ wenden sich direkt an Kinder und Jugendliche mit behinderten Geschwistern.

Weitere Adressen: