Zahnpflege beim Baby

Interview mit dem Zahnarzt Herrn Dr. Friedrichsen

babyclub.de: Hallo und Guten Abend Herr Dr. Friedrichsen!


Dr. Friedrichsen: Guten Abend!


babyclub.de: Herr Friedrichsen, brauche ich für mein Kind eine spezielle Zahnbürste?


Dr. Friedrichsen: Kinder sollen die Zahnbürste mit der ganzen Hand umfassen können. Außerdem sollte der Kopf möglichst kurz sein und viele Borsten pro Fläche enthalten.


babyclub.de: Müssen es für Kinder besonders weiche Borsten sein, oder ist das egal?


Dr. Friedrichsen: Der Härtegrad sollte eher weich als hart gewählt werden.


babyclub.de: Ich habe gehört, am Besten sollte man eine elektrische Zahnbürste nehmen? Da gibt es sogar Borsten für Kinder.


Dr. Friedrichsen: Es gibt auch kleine Kinderaufsätze für die elektrischen Zahnbürsten. Der Vorteil der elektrischen Zahnbürste ist, dass sie pro Zeiteinheit mehr Putzbewegungen durchführen. Eltern sollten sich aber nicht nur darauf verlassen sondern auch den Putzerfolg überprüfen.


babyclub.de: Und wie oft am Tag sollte ein kleines Kind die Zähne putzen?


Dr. Friedrichsen: Möglichst nach jeder Mahlzeit. Sollte dies nicht möglich sein, zum Beispiel unterwegs, sollte das Kind wenigstens mit neutralem Wasser ausspühlen.


babyclub.de: Ab welchem Alter muss ich eigentlich anfangen, meinem Kind die Zähne zu putzen?


Dr. Friedrichsen: Sowie die Zahnkronen durchgebrochen sind kann man mit dem Putzen beginnen.


babyclub.de: Und wie lange dauert es, bis das Milchgebiss vollständig ist?


Dr. Friedrichsen: In der Regel beginnt mit dem 6. Lebensjahr der Durchbruch der bleibenden Zähne. Mit 4 Jahren sollte das Gebiß vollständig sein.


babyclub.de: Und wie kann man dem Kind das Zahnen erleichtern? Gibt es da Tropfen oder so etwas?


Dr. Friedrichsen: Man kann dem Kind das Zahnen erleichtern, in dem man ihnen Beißringe verabreicht, die vorher im Kühlschrank gekühlt wurden. Spezielle Salben sind selten erforderlich. Sie sind auch nicht unproblematisch, da die Inhaltsstoffe in den Speichel aufgenommen werden.


babyclub.de: Schmerzmittel sollten wohl auch nicht sein, oder?


Dr. Friedrichsen: Nein! Eine Kühlung sollte ausreichen.


babyclub.de: Empfehlen Sie dann eine extra Kinder-Zahncreme oder kann ich meine auch für mein Kind verwenden?


Dr. Friedrichsen: Bis zum 6. Lebensjahr muß man davon ausgehen, dass Kinder ihre Zahncreme verschlucken. Daher sollten Sie eine spezielle Kinderzahnpasta benutzen.


babyclub.de: Wann muss ich mit meinem Kind denn zum ersten Mal zum Zahnarzt?

Dr. Friedrichsen: Wenn keine auffälligen Verfärbungen sichtbar sind, reicht es, mit dem 3. Lebensjahr das Kind auf einen Besuch beim Zahnarzt vorzubreiten.


babyclub.de: Gibt es da Tricks, wie ich dem Kind die Angst vor Ihren Kollegen nehmen kann?


Dr. Friedrichsen: Es ist sinnvoll, das Kind beim ersten mal die ungwohnte Umgebung zu zeigen und beispielsweise mit einem Mundspiegel die eigenen Zähne zu zählen ohne eine Behandlung durchzuführen. Das Kind also spielerisch auf den Zahnarztbesuch vorzubereiten. Wir lassen die Kinder auch die Bürstchen mit den Fingern betasten, damit sie sich an die Instrumente gewöhnen.


babyclub.de: Gibt es Zahnärzte, die so etwas mitmachen?


Dr. Friedrichsen: Die Guten schon. ;-) Im eigenen Interesse an einem komplikationsfreien Ablauf wird sich sicher jeder Zahnarzt bemühen, dem Kind die Angst zu nehmen.


babyclub.de: Und wie oft muss ich dann mit meinem Kind zum Zahnarzt?


Dr. Friedrichsen: Es sollte halbjährig eine Kontrolle der Zähne und des Zahnwechsels erfolgen.


babyclub.de: Von einer Bekannten habe ich gehört, dass ich meinem Kind die Schokolade nicht verbieten muss – oder sind Süßigkeiten doch so gefährlich für Kinderzähne?


Dr. Friedrichsen: Es ist sinnvoll, dem Kind möglichst die Schokolade auf einmal zu geben, anstatt über einen längeren Zeitraum kleine Dosen Süßigkeiten zu verabreichen die dann jedesmal den PH-Wert negativ beeinflussen.


babyclub.de: Welche Süßigkeiten haben Sie denn Ihren Kindern erlaubt?


Dr. Friedrichsen: Grundsätzlich sind alle Süßigkeiten gefährlich, meine Frau und ich haben versucht, Süßes nur im häuslichen Bereich zu geben damit die Kinder hinterher bei Klebrigem die Zähne gleich reinigen konnten. Sie haben übrigens bis heute noch keinen kariösen Defekt! Mit etwas Sorgfalt kann man also auch ab und zu Süßes essen.


babyclub.de: Und welche Süßigkeiten?


Dr. Friedrichsen: In Europa sind schon viele zahnschonende und mit dem Zahnmännchen bezeichnete Produkte erhältlich, zum Beispiel in Kaugummies, Bonbons, verschiedene Süßwaren und auch Schokolade sowie medikamentöse Präperate in Sirup und Tablettenform.

babyclub.de: Zahnmännchen?


Dr. Friedrichsen: Ein kleiner Zahn mit einem Regenschirm über der Krone (eingetragenes Warenzeichen)


babyclub.de: Sind gute oder schlechte Zähne eigentlich auch eine Erbsache?


Dr. Friedrichsen: So wie man die Härte der Knochen vererbt bekommt, ist auch die Veranlagung weicheren Zahnsubstanzen mit ein Erbfaktor. Es ist also schon bei der Geburt festgelegt, wie sehr man auf angreifende Substanzen reagiert. Die Mundhygiene ist aber sehr wichtig und kann die Erblasten weitgehend ausgleichen.


babyclub.de: Man kann aber nicht sagen, nach welchem Elternteil das geht, oder?


Dr. Friedrichsen: Nein, da hierbei unterschiedliche Erbfaktoren zusammenkommen. So ist z.B. die Erbinformation der Zahngröße und die der Kiefergröße auf unterschiedlichen Genen angesiedelt.


babyclub.de: Das waren ja eine ganze Menge Fragen... Vielen Dank für Ihre Geduld!


Dr. Friedrichsen: Bitte schön.


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