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Ammenmärchen rund ums Stillen

Tipps von Tatjana Bender, Still- und Laktationsberaterin IBCLC, Kinderkrankenschwester und Forschungskoordinatorin bei Medela

Ratschläge zur richtigen Versorgung Ihres Babys erhalten Sie wahrscheinlich regelmäßig. Sie sind zwar immer gut gemeint, aber oftmals auch einfach falsch. Ammenmärchen halten sich sehr hartnäckig in unserer Gesellschaft.

Ich möchte ein paar von diesen Mythen zum Stillen aufdecken und erklären. Damit Sie auf den nächsten „fachlichen Rat“ richtig reagieren können oder vielleicht auch schmunzelnd gar nichts sagen müssen.

„Stillen ruiniert den Busen“

Ob eine Frau stillt oder nicht, hat langfristig keine Auswirkungen auf das Äußere der Brust. Kurze Zeit nach dem Abstillen lässt sich bereits nicht mehr feststellen, ob eine Frau je gestillt hat, wohl aber, ob sie schwanger war. Veränderungen an der Brust sind nicht dem Stillen, sondern der Schwangerschaft zuzuschreiben und es dauert einige Zeit, bis sich diese wieder zurückbilden. Nicht immer wird wieder alles wie es einmal war. Bei Frauen mit schwachem Bindegewebe sind größere Veränderungen zu erwarten. Deren Brüste würden jedoch über kurz oder lang ohnehin an Spannkraft verlieren, unabhängig davon, ob sie jemals schwanger waren.

„Flaschenkinder schlafen besser durch“

Durchschlafen lernen ist ein individueller Reifeprozess, der bei jedem Kind unterschiedlich verläuft so wie Laufen und Sprechen lernen. Babys haben außerdem ein anderes Schlafverhalten als Erwachsene und wachen dadurch öfter auf. Dies ist unabhängig davon, ob sie mit der Flasche oder durch Stillen ernährt werden.

„Mindestens 2 Stunden Pause zwischen den Stillmahlzeiten“

Stillen in kurzen Abständen verursacht weder Blähungen noch Bauchschmerzen. Oder bekommen Sie Probleme, wenn Sie eine Stunde nach dem Mittagessen ein Joghurt oder etwas Süßes zu sich nehmen? Wichtig ist nur, dass Ihr Baby an die energiereiche Hintermilch kommt, egal wie viel Abstand zwischen den Stillmahlzeiten liegt. Im Normalfall verweilt Muttermilch 1 bis 1,5 Stunden im Magen. Die Magensäure verändert Muttermilch soweit, dass keine unverdaute Muttermilch im Magen des Babys bleibt. Stillen Sie Ihr Baby einfach nach Bedarf. Das können manchmal Abstände von 3 Stunden sein oder auch mal nur 1,5 Stunden.

„Meine Brüste sind zu klein zum Stillen“

Es gibt keine zu kleine oder zu große Brust, wenn man über die Fähigkeit des Stillens spricht! Die Größe der weiblichen Brust ist abhängig vom Anteil an Fettgewebe. Das Fettgewebe hat jedoch nichts mit der Milchproduktion zu tun. Die Menge der produzierten Milch hängt davon ab, wie häufig das Baby gestillt wird. Das Stillen bewirkt bei der Mutter, dass die Hirnanhangdrüse zum einen das Hormon Oxytozin und zu anderen das Hormon Prolaktin freisetzt. Durch Oxytozin ziehen sich die Milchdrüsen zusammen und die Milch fließt.

„Muttermilch ist zu dünn und das Baby wird deshalb nicht satt“

Es gibt immer wieder Phasen, da möchte ein Baby scheinbar ununterbrochen gestillt werden. Häufig trinkt es dann kurz, nickt ein, wacht auf und trinkt erneut usw. Dieses Stillverhalten nennt man Clusterfeeding. Für junge Babys und bei Wachstumsschüben ist das völlig normal und bedeutet nicht, dass das Baby nicht satt wird. Muttermilch ist genau auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt – sie verändert Ihre Zusammensetzung je nach Alter des Babys. Es gibt daher keine zu dünne Muttermilch. Will das Baby z. B. während eines Wachstumsschubes häufiger trinken, produziert der Körper durch das häufige Anlegen automatisch mehr Milch.

„Stillen ist eine gute Verhütungsmethode“

Stillen kann nur unter streng und genau eingehaltenen Regeln und Voraussetzungen den Eisprung verhindern. Deshalb gehört es auf keinen Fall zu den sicheren Verhütungsmethoden!

„Bei einer Brustenzündung muss abgestillt werden“

Bei einer Entzündung oder einem Milchstau ist es entscheidend, die gestaute Milch bestmöglich zu entleeren. Nichts und niemand schafft das so gut wie ein saugendes Baby! Sollte eine Antibiotikaabgabe notwendig sein, können stillfreundliche Medikamente gewählt werden. Kontaktieren Sie auf alle Fälle Ihre Hebamme oder eine Laktationsberaterin.