Frau Weiß war von 1997 bis 2005 Präsidentin des BDH und verfügt selbst über reichhaltige Erfahrungen auf dem Gebiet der freiberuflichen und angestellten Hebammenarbeit.
Frau Weiss: Normale Geburt heißt, dass bei der werdenden Mutter möglichst wenig Interventionen, d.h. Eingriffe von außen, vorgenommen werden. Hierbei werden die Gebärenden kontinuierlich unterstützt, um möglichst aus eigener Kraft das Kind auf die Welt zu bringen.
Frau Weiss: Die WHO bezeichnet die Hebamme als die Person, die am geeignetsten ist, eine normale Schwangerschaft und Geburt zu betreuen, falls es zu Risiken kommt - in Kooperation mit dem Arzt. Der Gesetzgeber in Deutschland bestätigt diese Sichtweise und berechtigt die Hebammen als einzige Berufsgruppe, Frauen während der gesamten Schwangerschaft zu begleiten und dies mit den Krankenkassen abzurechnen. Frau Sassa, Hebamme: Ich bin selber auch Hebamme und weiß daher, dass sie eine unterstützende Rolle spielt: Sie begleitet die werdende Mutter während der Schwangerschaft und hilft z. B. bei Beschwerden und versucht, ihr die Angst vor der Geburt zu nehmen.
Frau Weiss: Der Gesetzgeber schreibt vor, dass zu jeder Geburt eine Hebamme hinzugezogen werden muss. Frau Sassa: 99,9% der Frauen haben eine Hebamme bei der Geburt dabei.
Frau Sassa: In der Vorsorge sind wir Hebammen leider noch nicht so vertreten. Frau Weiss: Für die Vorsorge hat er Hebammen und Ärzte gleichermaßen vorgesehen. Je eher die Hebammenbetreuung einsetzt, desto größer die Zuversicht der Frauen in ihre eigenen Fähigkeiten und ihre Kraft die Geburt, für sie und ihr Kind zu einem glücklichen und befriedigenden Ereignis werden zu lassen. Frau Sassa: Wobei die Nachsorge schon die meisten der Frauen in Anspruch nehmen. Hebammen klären ganz anders auf als Ärzte. Die suchen eher das Krankhafte. Hebammen unterstützen das Wohlbefinden.
Frau Weiss: Wir beim BDH haben auch eine Beauftragte für Qualität. Außerdem gibt es QUAG e.V. Verein für Qualitätssicherung, von Hebammen gegründet.
Frau Weiss: Diese Fragebögen füllen die Hebammen aus.
Frau Weiss: In Niedersachsen liegt die Rate der normalen Entbindungen (ohne Eingriffe) nach normalen Schwangerschaften bei nur 6,3 %. Wir finden das ist eindeutig zu wenig. Frau Sassa: Zählt dazu auch der Dammschnitt? Frau Weiss: Dazu gehören Dammschnittraten von 60% und Kaiserschnittraten von 20% und mehr. Man kann davon ausgehen, dass dies in etwa ein Spiegel für Gesamtdeutschland ist.
Frau Weiss: Das fragen wir uns auch. Deshalb haben wir ein Plädoyer für die normale Geburt verfasst.
Frau Sassa:Es wird häufiger von vornherein ein Kaiserschnitt gemacht. Ich hoffe jedoch, dass sich Schwangere weiterhin eine normale Geburt zutrauen.
Frau Sassa: Man muss bedenken, dass ein Kaiserschnitt eine große Operation ist, bei der ein Organ, die Gebärmutter, aufgeschnitten wird. Auch denken die meisten im Voraus nicht an die Schmerzen nach so einem Eingriff.
Frau Sassa: Natürlich. Es wird nicht beachtet, dass die Schmerzen nach einem Kaiserschnitt häufig bis zu sechs Monaten andauern. Zudem können Stillprobleme usw. auftreten.
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