Wunschkaiserschnitt
Wunschkaiserschnitt oder natürliche Geburt?
von babyclub.de Fachautorin Ellen Grünberg
In Zeiten von Wunschkaiserschnitt und Geburtstermin nach Plan plädiert Hebamme Ellen Grünberg für die natürliche Geburt. Denn ein gewünschter Kaiserschnitt kann unerwünschte Folgen haben.Weltweit hat die Anzahl der Geburten durch Kaiserschnitt zugenommen. 1991 betrug die Anzahl der Kaiserschnitte in Deutschland 15%. Inzwischen ist sie auf 25% gestiegen. Davon ist nur ein kleiner Anteil medizinisch notwendig. Frauen, die sich für einen Wunschkaiserschnitt entscheiden, sollten die Folgen bedenken, welche der Wunschkaiserschnitt für Mama & Baby haben kann.
Wunschkaiserschnitt: Folgen für das Baby
Über die Folgen für das Kind existieren in der Literatur gegensätzliche Aussagen. Einige Experten sind der Meinung, dass die Geburtsrisiken bei einer Sectiogeburt für das Kind um zehn Prozent niedriger sind als bei einer vaginalen Geburt. Andere Wissenschaftler fanden heraus, dass es bei diesen Kindern verstärkt zu Atemnotsyndromen und Anpassungsschwierigkeiten kommt. Forschungen haben ergeben, dass das entscheidende Signal zur Geburt vom Baby selber ausgeht. Das wird beim Wunschkaiserschnitt nicht berücksichtigt. Dies bedeutet einen massiven Eingriff in die feinen, die Geburt vorbereitenden biochemisch-hormonellen Prozesse. Während der Geburt steigt der Katecholaminspiegel (Stressindikator) beim Baby um das ca. 20-fache an. Dieser plötzliche Anstieg hat mehrere Vorteile für das Kind: Er fördert die Lungenreifung und beschleunigt den Stoffwechsel, weshalb normal geborene Babys ihre Körpertemperatur besser halten können und über größere Energiereserven verfügen. Außerdem sind die Neugeborenen dadurch innerhalb der ersten Lebensstunden wacher und verfügen über eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit, was wiederum die Bindungsfähigkeit fördert. Eine gesunde Gehirnentwicklung scheint also den Geburtsstress zu benötigen. Geburtsanstrengung kann daher auch als gesundes Fitnessprogramm für das Kind bezeichnet werden. Es scheint auch einen Zusammenhang zwischen Kaiserschnittgeburt und Allergieneigung zu geben. Untersuchungen ergaben bei Kaiserschnittkindern ein erhöhtes Risiko für eine Nahrungsmittelallergie.
„Saving The Love Channel“
Unter diesem Slogan wurde der Wunschkaiserschnitt in den USA schon vor Jahren erfolgreich propagiert. Da eine vaginale Geburt den Beckenboden verletzen kann, wird daraus abgeleitet, dass die Sexualität einer Frau sich nach einer Geburt verändert und möglicherweise weniger lustvoll erlebt wird. Tatsächlich ist die Beckenbodenmuskulatur aber schon während der gesamten Schwangerschaft Belastungen ausgesetzt. Hier hilft nur Beckenbodentraining.
Ein weiterer Aspekt des Kaiserschnittes kommt erst in nachfolgenden Schwangerschaften zum Tragen. Das Risiko einer tiefliegenden oder angewachsenen (accrecta) Plazenta, Uterusruptur und höherem Blutverlust nimmt erheblich zu.
Selbst das Argument, Schmerzen könnten vermieden werden, entspricht kaum der Realität. Ein Kaiserschnitt ist keine schmerzfreie Geburt. Zwar werden während der OP keine Schmerzen erlebt, aber spätestens beim Nachlassen der Narkose.
Wie eine Frau ihr Kind auf die Welt bringt, bleibt letztendlich ihre Entscheidung. Die gesündeste Variante des Gebärens scheint aber auch in unserer modernen Welt immer noch die natürliche Geburt ohne Intervention.
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