Entbindung: Wie soll das Baby zur Welt kommen?

Wege der Entbindung

Die Zeiten, in denen eine Geburt zwingend im Bett liegend vonstatten ging, sind glücklicherweise passé. Unsere Mütter hatten gar keine andere Wahl: Sie brachten fast ausnahmslos ihre Kinder nach dem gleichen Schema zur Welt: liegend, meist ohne Partner an der Seite, Schmerzmittel gab's nur im Ausnahmefall und nach der Entbindung bekam sie das Baby erstmal nicht zu sehen.

Das ist heute glücklicherweise anders - denn es gibt verschiedene Möglichkeiten.

Aufrecht auf dem Gebärhocker, entspannt in der Wanne oder kniend auf dem Boden: Alles ist möglich. Meist kann die Schwangere selbst entscheiden, wie sie die Entbindung erleben will. Denn je selbstbestimmter eine Geburt verläuft, desto  entspannter und motivierter ist die Mutter und umso einfacher und schneller kann sie die Geburt bewältigen. Ein Umstand, der sich auch positiv aufs Baby auswirkt. Entsprechende Stresshormone und Schmerzreize übertragen sich nämlich auch auf das Ungeborene.

Darum sollten sich Schwangere bereits im Vorfeld Gedanken machen und sich bei den Kliniken, Geburtshäusern und Hebammen informieren, welche Entbindungspraktiken angeboten werden.

Entbindung in aufrechter Haltung

Die Entbindung in der aufrechten Haltung erleichtert die Atmung. Durch die Schwerkraft wird der Geburtsvorgang unterstützt. Aber keine Sorge, das Baby wird von der Hebamme oder dem Arzt unterstützt. Hier hat die Schwangere mehr Kraft zum Mitpressen als im Liegen. Der Druck der Uterusmuskulatur wirkt sich stärker aus, die Wehen sind effektiver und schieben das Baby schneller voran.

Als Unterstützung für die aufrechte Gebärhaltung gibt es in vielen Kliniken große Seile oder Tücher, die an der Decke hängen und an die sich die Schwangere während der aufrechten Geburt "hängen" kann.

Entbindung im Gebärstuhl

Die Entbindung auf dem Gebärstuhl ist besonders gut geeignet, wenn die Frau nicht mehr viel Kraft hat. Mit Hilfe dieser Haltungsposition erleichtert sich die Pressarbeit der Mutter. Somit geht die Geburt schneller voran und die meisten Babys kommen schon nach zwei statt der üblichen fünf Presswehen zur Welt. Das Ungeborene hilft durch seine Schwerkraft ebenfalls mit. Nachdem der Kopf sich seinen Weg nach draußen gebahnt hat, läuft der Rest meist relativ problemlos ab.

Entbindung in der Hocke

Die Entbindung in der Hocke hat den Vorteil, dass der Beckenausgang maximal erweitert ist. Außerdem haben die Füße einen guten Halt. Der Partner sollte hierbei gut mitarbeiten, um einen optimalen Halt zu bieten, damit sich die Mutter festhalten und abstützen kann.  Allerdings ist diese Art der Entbindung sehr anstrengend und belastet den Rücken und die Knie.

Die Wassergeburt

Die Wassergeburt bietet die Möglichkeit einer selbstbestimmten Entbindung, da sich die Mutter ohne störende Eingriffe von außen im Becken auf die Vorgänge ihres Körpers einlassen und das Tempo lenken kann. Das warme Wasser wirkt besonders schmerzlindernd und wehenanregend, so dass die meisten Frauen auf künstliche Betäubungsmittel und Pharmaka verzichten. Dammverletzungen sind äußerst selten, der Geburtskanal weitet sich, das Gewebe wird weich und dehnbar, sogar Narbengewebe wird elastisch. Dadurch ist die Wassergeburt für Frauen mit früheren Kaiserschnittgeburten sehr empfehlenswert. Dank dieser hervorragenden Voraussetzungen geht die Entbindung schneller voran.

Die irrtümliche Besorgnis, das Baby könnte unter Wasser ertrinken, kann komplett verworfen werden. Durch die Nabelschnur wird das Neugeborene weiterhin mit Sauerstoff versorgt, zudem besitzt es einen Atemschutzreflex, der die Luftröhre wasserdicht verschließt.

Auch für das Kind ist diese Methode der Entbindung äußerst schonend. Nachdem es neun Monate im Fruchtwasser verbracht hat, wird es in ein vertrautes Milieu geboren und passt sich leichter an die Außenwelt an. Die Geräusche sind gedämpft und das Licht überanstrengt die empfindlichen Augen nicht. Im Wasser kann das Baby aktiv bei der Geburt mitwirken, sich leichter bewegen, dehnen und strecken.

Entbindung mit Peridual-Anästhesie (PDA)

Viele Frauen haben bei der Geburt große Angst und verkrampfen sich. Zur Erleichterung erhalten sie während der Entbindung oft eine örtliche Betäubung. Bei der Peridual-Anästhesie PDA wird dem Schmerz im Beckenbereich gezielt durch eine Spritze zwischen zwei Rückenwirbeln entgegengewirkt. Die Frau erlebt die Geburt trotzdem in vollem geistigen Bewusstsein mit und muss keine Sorge haben, etwas von dem freudigen Ereignis zu verpassen. Bei der PDA ist - sollte ein Kaiserschnitt notwendig werden - keine Vollnarkose erforderlich.

Entbindung im Liegen

Die Entbindung in der liegenden Position ist ideal, um sich auszuruhen und Kräfte zu sammeln. Wenn die Hände und Füße genug Widerstand finden, ist die Entbindung auch im Liegen problemlos möglich. In der Seitenlage ist die Entbindung besonders gut. Früher war die liegende Position die einzige Position. Allerdings hat sich mit dem Fortschritt der Wissenschaft ergeben, dass die Entbindung im Liegen anstrengender ist, da die Schwerkraft und der Druck des Babys von oben auf den Muttermund nicht mitwirkt.

Entbindung im Vierfüßlerstand

Die Entbindung in dem Vierfüßlerstand kann sehr angenehm sein, da sich Wehen in dieser Haltung gut veratmen lassen. Der Rücken wird in dieser Position entlastet und es lindert die Rückenschmerzen.

Entbindung mit alternativen Heilmethoden

Es bieten immer mehr Institutionen mittlerweile Akupunkturnadeln zur Schmerzbekämpfung an. Die Wirkung tritt innerhalb weniger Minuten ein und die Frau kann sich auf natürlichem Wege erholen und Kräfte sammeln.

Selbstverständlich kann keine der Methoden mit absoluter Sicherheit eine sanfte und schnelle Geburt garantieren. Wichtig ist, beim Auftreten der ersten Wehen nicht in Panik ausbrechen, gut vorbereitet und geduldig sein. Der Körper sendet Signale - er hat sich in den vergangenen neun Monaten bestens für dieses Ereignis gerüstet. Jeder weiß, was für ihn selbst am besten ist.

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