Schwangerschaft & Ernährung

Vitamine und Mineralstoffe

Vitamine und Mineralstoffe - gerade in der Schwangerschaft ist eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sehr wichtig. Ellen Grünberg ist Hebamme beim Bund Deutscher Hebammen und beantwortet im folgenden Interview einige Fragen zum Thema Vitamine und Mineralstoffe in der Schwangerschaft.



Auch Hebammen führen Schwangeren-Vorsorgeuntersuchungen durch. Wie stellen Sie Vitamin- oder Mineralstoffmangel fest?

Ellen Grünberg:
"Die Schwangerenvorsorgeuntersuchungen erfolgen nach den Mutterschafts-Richtlinien. Dazu gehören unter anderem auch Ernährungsberatung, Blutuntersuchungen und Beobachtungen des Allgemeinbefindens. Zu den Blutuntersuchungen gehört z.B. die Bestimmung des Hämoglobinwertes im Blut. Doch nach einer Aussage von Dr. Rene Gottschalk von der Universitätsklinik Frankfurt im Ökotest, <<reicht die alleinige Bestimmung des Hämoglobins nicht aus, um einen Eisenmangel nachzuweisen>>. Wird tatsächlich ein Eisenmangel nachgewiesen, erfolgt eine Substitution am besten durch zweiwertiges Eisen."



Was können werdende Mütter tun, um Mangelerscheinungen gar nicht erst aufkommen zu lassen?


Ellen Grünberg:
"Vitamine und Mineralstoffe sollten weitgehend über die Nahrung aufgenommen werden. Bei Bedarf an vielen Vitaminen und Mineralstoffen ist sicher eine bewusste, ausgewogene Ernährung die beste Vorbeugung gegen Mangelerscheinungen. Dabei machen Kohlenhydrate ca. 50-60 % der Gesamtenergiezufuhr aus. Im Einzelnen bedeutet dies: Getreide, Kartoffeln und Nudeln bilden die Basis der Nahrungsaufnahme, dann folgen Gemüse und Obst. Der Verzehr von Zucker sollte 10 % (laut Empfehlung von WHO und DGE) nicht übersteigen. Der Eiweißgehalt der Nahrung liegt bei 12-15 %, enthalten in Milch, Käse, Eiern, Fisch, Hülsenfrüchten und Fleisch. Generell ist tierisches Eiweiß biologisch hochwertiger, aber auch aus pflanzlichen Nahrungsmitteln lässt sich eine im Eiweißgehalt vollwertige Kost zusammenstellen. Der Fettanteil der Nahrung sollte laut der DGE bei 25-30 % liegen."



Kann man sich schon vor der Schwangerschaft auf diesen zusätzlichen Nährstoffbedarf vorbereiten?


Ellen Grünberg:
"Eine ausgewogene Ernährungsweise ist die beste Vorbereitung. Die Aufnahme von Jod ist in Deutschland laut Arbeitskreis Jodmangel (Jod-Monitoring Studie von 1996), generell zu gering. Deutschland ist demnach – bis auf die Küstenregionen – ein Jodmangelgebiet. Empfehlenswert für Schwangere sind 230 Mikrogramm Jod. Die bedeutendsten Jodlieferanten unserer Ernährung sind Seefische, aber auch Jodsalz und damit hergestellte Produkte. Ein Mangel kann zu schweren Fehlbildungen führen. Außerdem ist Folsäure in der Schwangerschaft sehr wichtig – sie spielt z.B. eine lebenswichtige Rolle in der Zellteilung. Der Normalbedarf von 200 Mikrogramm Folsäure täglich steigt in der Schwangerschaft auf 300 - 700 Mikrogramm an. Bei einer Unterversorgung mit Folsäure kann es zu Fehlgeburten und schweren Missbildungen kommen, unter anderem zu Neuralrohrdefekten (offener Rücken). Die Schließung des Neuralrohres erfolgt bereits zwischen der dritten und vierten Woche nach der Empfängnis, also zu einem Zeitpunkt, an dem vielen Frauen ihre Schwangerschaft noch unbekannt ist. Deshalb sollte schon vor der Schwangerschaft eine ausreichende Folsäure-Versorgung gewährleistet sein. Folsäure ist in größeren Mengen in grünen Blattsalaten und Blattgemüsen, Hülsenfrüchten, Tomaten, Weizenkeimen und Vollkornprodukten enthalten. Die Versorgung mit diesen Wirkstoffen ist gerade in der Schwangerschaft besonders wichtig."



Bei so viel zusätzlichem Bedarf – besteht da nicht die Gefahr, viel zu viel an Gewicht zuzunehmen?


Ellen Grünberg:
"Nein, wie viel zugenommen wird, hängt vom Ausgangsgewicht ab. Sehr schlanke Frauen nehmen meist mehr zu als kräftigere Frauen. Eine Gewichtszunahme zwischen ca. 8 und 18 Kilogramm ist bei gesunden Frauen durchaus normal. Erst ab dem 4. Schwangerschaftsmonat steigert sich der Bedarf um ca. 300 kcal Stillende brauchen aber schon 650 kcal mehr."



Falls nun doch einmal Mangelerscheinungen auftreten: Worauf sollten Schwangere achten, wenn Sie Zusatzpräparate einnehmen?


Ellen Grünberg:
"Zusatzpräparate sollten grundsätzlich nur in Absprache mit Hebamme oder Arzt eingenommen werden. Eine Überdosierung von Vitamin A beispielsweise sollte unbedingt vermieden werden. Diese kann beim Kind zu Wachstumsstörungen, Hautveränderungen, Leberschäden und Schäden an den Augen führen. Deshalb sollten Schwangere keine Leber essen und auch keine Nahrungsergänzungspräparate einnehmen, in denen Vitamin A enthalten ist. Bei Überdosierung durch Nahrungsergänzungspräparate können auch noch Monate nach Beendigung der Einnahme Schäden auftreten."



Früher hat man immer behauptet, jede Schwangerschaft koste die Mutter einen Zahn. Ist das auch ein Symptom von Mangelerscheinungen? Gilt diese Regel immer noch und was kann man dagegen tun?


Ellen Grünberg:
"In der Schwangerschaft verändert sich der Hormonspiegel. Dadurch wird das Zahnfleisch stärker durchblutet. Es kann zu Schwellungen und Wucherungen kommen. Ganz entscheidend ist, neben einer besonders gründlichen Zahnhygiene, die Ernährung. Viel Süßes kann die Bildung von Bakterienbesiedelung und Karies fördern. Ausgewogene Ernährung kann auch hier als Prophylaxe wirken (Obst, Gemüse, Jod, Folsäure, Calcium, Eisen, Mineralien)."



Was kann ich bei einer Unverträglichkeit von Milch und Milchprodukten tun, um meinem Körper ausreichend
Calcium zukommen zu lassen?

Ellen Grünberg:
"Etwa 15 % aller Europäer leiden an einer Lactoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit). Wenn diese vorliegt, sollten Milch- und Milchprodukte gemieden werden. Als Ersatz für Milch können z.B. Sojamilcherzeugnisse eingesetzt werden. Calciumreiche, pflanzliche Lebensmittel sind Grünkohl, Brokkoli, Fenchel, calciumreiche Mineralwässer und mit Calcium angereicherte Fruchtsäfte."

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