Hebammen-Wissen
Gesund durch die Schwangerschaft - Teil 1
mit Hebamme & Fachautorin Birgit Laue
und Gesundheitspädagogin Angelika Salomon
Bei vielen Frauen tritt nun ein neues Qualitätsbewusstsein auf und sie möchten ihren Körper nicht unnötig belasten. Welche Produkte oder Inhaltsstoffe sollten für Schwangere z.B. im Bereich Pflege und Ernährung tabu sein?
Den meisten schwangeren Frauen ist bewusst, dass Gesundheitspflege jetzt Pflege für zwei bedeutet. Es ist nun noch wichtiger als sonst, den Organismus gesund zu erhalten und die Vitalität zu stärken. Eine gesunde Lebensführung und der Verzicht auf Alkohol, Nikotin oder andere Drogen spielen hier natürlich eine große Rolle. Doch ebenso sinnvoll ist es, z. B. bei der Ernährung und der täglichen Pflege auf möglichst naturbelassene und gut verträgliche Produkte zurückzugreifen. Biologische Lebensmittel sind beispielsweise frei von schädlichen Pflanzenschutzmitteln, Kunstdüngerrückständen, Zusatz-, Farb- und Aromastoffen. Sie sind auch nicht gentechnisch verändert oder radioaktiv bestrahlt - beides Maßnahmen, von denen noch nicht ausreichend erforscht ist, wie sie auf den menschlichen Organismus wirken. Seriöse Naturkosmetikhersteller verzichten auf den Einsatz synthetischer Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe oder Rohstoffe auf Mineralölbasis, die die Hautatmung behindern würden. Unser Tipp: Auf der sicheren Seite sind Sie, wenn Sie biologische oder besser noch biologisch-dynamische Produkte wählen. Kontrollierte Naturkosmetik erkennen Sie auch am Prüfzeichen des BDHI oder Sie verlassen sich auf die Ökotest-Empfehlung.
Was gehört zu einer ganzheitlichen Geburtsvorbereitung?
Die wichtigste Vorbereitung besteht aus unserer Sicht darin, seinen Körper „in anderen Umständen“ neu kennenzulernen und „Spürvermögen“ zu entwickeln. Damit meinen wir die Fähigkeit, wahrzunehmen, wie das Leben durch unseren Körper Ausdruck bekommt. Die Bereitschaft, hinzuhorchen, welche Botschaften er für uns bereithält und diese Informationen sinnvoll und schöpferisch in die jeweiligen Situationen einzubinden. Das bestärkt schwangere Frauen darin, dass sie selbst genug Kraft und Fähigkeiten haben, ihr Kind zur Welt zu bringen. So gebären sie ihr Kind eigenständig und selbstbestimmt und werden nicht bloß entbunden. Durch Atemübungen, Entspannungsübungen, sanfte Massagen, einfache Yogaübungen oder andere Elemente der Gesundheitsbildung kann der eigene Weg sinnvoll unterstützt werden.
Unser Tipp: Wenn Sie einen Kurs besuchen, überzeugen Sie sich vor Beginn von der Kompetenz der Kursleitung. „Andere Umstände“ benötigen ein geschultes und genaues Fachwissen.
Wie oft sollten Hebamme und Schwangere miteinander in Kontakt treten? Ab dem wievielten Schwangerschaftsmonat macht es Sinn, zum ersten Mal eine Hebamme aufzusuchen?
Frauen sollten auf jeden Fall bereits in der Frühschwangerschaft Kontakt zu „ihrer“ Hebamme aufnehmen. Sie ist die kompetente Fachfrau für alle Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit. Unabhängig von der Schwangerschaftswoche kann sie bei allen Fragen zu Rate gezogen werden. Wie häufig ein Kontakt notwendig oder sinnvoll ist, hängt sehr von der individuellen Situation der schwangeren Frau ab.Leider wissen viele Frauen nicht, dass die sogenannte Schwangerenvorsorge (mit Mutterpass) nicht allein vom Gynäkologen, sondern auch von der Hebamme begleitet werden kann. Die Kosten für diese Leistungen werden ebenfalls von der Krankenkasse erstattet.
Unser Tipp: Wenn Sie eine Hebamme suchen, schauen Sie doch mal in die gemeinsame Hebammen-Suche des babyclub.de und des Bundes Deutscher Hebammen auf dieser Website!
Was raten Sie Frauen, die große Angst vor der Geburt haben?
Angst vor einer Geburt zu haben, ist eine völlig normale und sinnvolle Reaktion. Immerhin wartet mit der Geburt zunächst eine unbekannte und nicht einschätzbare Situation auf die schwangere Frau. Es ist jedoch hilfreich, dieser Angst ins Auge zu blicken und sich mit ihr auseinander zu setzen. Denn oft ist sie auch Ausdruck für andere Ängste wie z.B.: Werde ich überhaupt Muttergefühle entwickeln können? Komme ich mit dem Kind zurecht? Wird unsere Partnerschaft nicht leiden? u.s.w.
Auch die Angst vor dem Geburtsschmerz spielt heute eine große Rolle, wie sich an den stetig steigenden Zahlen von so genannten „Wunsch-Kaiserschnitten“ erkennen lässt. Dabei haben die meisten Frauen in ihrem Leben Erfahrungen mit der Bewältigung körperlicher oder auch seelischer Schmerzen gemacht. An diese Erfahrungen können sie auch unter der Geburt anknüpfen. Eine neue und angstbesetzte Situation bewusst und mit eigenen Kräften überstanden zu haben, stärkt die eigene Persönlichkeit und gibt Selbstvertrauen und Sicherheit. Unser Tipp: Wenn Ihre Ängste übermächtig werden oder Sie traumatische Erfahrungen gemacht haben, suchen Sie ein vertrauensvolles Gespräch mit Ihrer Hebamme. Es wird dazu beitragen, im respektvollen Umgang Grenzen nicht erneut zu verletzen.
Hier gehts zum zweiten Teil des Expertentalks.
